unbekannte Person•vor 6 Jahren Auch wenn das Thema bei Diskussionen über Maßnahmen zur wirksamen Bekämpfung des Klimawandels bislang noch weitgehend auf der Strecke bleibt: eines der effektivsten Mittel, um der Klimakrise Einhalt zu gebieten, ist die Umstellung unserer klimaschädlichen Ernährungsgewohnheiten. Auch wenn in den Medien hauptsächlich über die Pros und Kontras der Einführung einer CO2-Steuer und über den Umstieg auf erneuerbare Energien debattiert wird: wenn man sich eingehender mit den globalen Zusammenhängen beschäftigt, wird schnell klar, dass sich der Klimawandel allein durch derartige Regelungen nicht mehr stoppen lassen wird, wenn man den Aspekt unserer Ernährung dabei völlig außer Acht lässt.Das Schöne daran ist, dass jede/r Einzelne von uns ab sofort und täglich, nämlich mit jeder Mahlzeit und der persönlichen Entscheidung, was sie/er zu sich nimmt, aktiv etwas bewirken kann! Der Auftrag der Stadt Linz sowie der großen Unternehmen ist es m. E., den BürgerInnen bzw. ArbeitnehmerInnen diese Entscheidung (leicht) zu ermöglichen.Ein paar Fakten zum Status Quo*:- Um den derzeitigen Tagesverbrauch von Fleisch und Milchprodukten auf der Welt zu erreichen, hätte im Jahr 1700 jeder Mensch auf der Erde täglich 430 Kilo Fleisch essen und 4500 Liter Milch trinken müssen.- 60% aller Säugetiere werden nur zum Aufessen von uns gezüchtet- Nutztierhaltung ist verantwortlich für 91% aller Rodungen im Amazonas - Nutzvieh ist die größte Methanquelle und der größte Verursacher des Stickstoffausstoßes- Da Methan und Stickoxide kurzfristig sehr viel mehr „Treibhausgaspotential“ haben als CO2, müssen diese Emissionen am dringendsten gestrichen werden, um der Klimakrise beizukommen. Weil sie hauptsächlich dadurch entstehen, was wir essen, könnten sie am leichtesten gestrichen werden.- Beispiele für CO2-Emissionen in Kilogramm pro Portion Lebensmittel: Rindfleisch: 3,0 / Käse: 1,11 / Schweinefleisch: 0,78 / Hülsenfrüchte: 0,05 / Karotten: 0,03 / Kartoffeln: 0,01Drei Punkte, die Unternehmen sowie Institutionen leisten sollten:1. Kantinen, Großküchen, Cafeterien und sonstige Essensanbieter an Arbeitsplätzen sollten ein tägliches Angebot an klimafreundlichen Speisen (also möglichst saisonal, regional und vegan) bereitstellen, um den BürgerInnen und ArbeitnehmerInnen eine Wahl überhaupt erst zu ermöglichen! Ein entsprechend geschultes Küchenpersonal sollte in der Lage sein, attraktive, gesunde und abwechslungsreiche Speisen zuzubereiten um den ArbeitnehmerInnen den Umstieg schmackhaft zu machen. Zudem sollten einige fixe fleischfreie (bzw. vegane) Tage in den Kantinen eingeführt werden, was zusätzlich zum angestrebten Nutzen außerdem noch einen positiven Effekt auf die Gesundheit der KonsumentInnen haben sollte. 2. Um den BürgerInnen die Information über diese wesentlichen Sachverhalte, sowie die damit in Verbindung stehenden Neuerungen näher zu bringen, könnte man entsprechende Hinweisschilder anbringen, Rundbriefe schreiben etc. (Im Idealfall in entsprechenden Institutionen sogar Weiterbildungskurse zum Thema anbieten). In Speisesälen könnte z.B. auf Tafeln regelmäßig darauf hingewiesen werden, wie viel CO2 durch die bewusste Auswahl der Speisen in einer Woche gemeinsam „eingespart“ wurde, um die ArbeitnehmerInnen zu motivieren, mit Gewohnheiten zu brechen und Neues auszuprobieren.3. Unternehmen und Institutionen sollten kein überschüssiges Essen bzw. Lebensmittel mehr verschwenden (Vorbild: Frankreich), sondern übrig gebliebene Nahrungsmittel stattdessen an soziale Institutionen verteilen.Drei Punkte, die aus meiner Sicht die Politik beitragen kann:1. Die Stadt Linz sollte eine Vorbildfunktion einnehmen: In städtischen Betrieben, Kantinen und bei Veranstaltungen der Stadt sollte ausschließlich klimafreundliches Essen (also möglichst saisonal, regional und vegan) angeboten werden. Ein entsprechend geschultes Küchenpersonal sollte in der Lage sein, attraktive, gesunde und abwechslungsreiche Speisen zuzubereiten, um den KonsumentInnen den Umstieg schmackhaft zu machen.2. Um die BürgerInnen für das Thema und die wesentlichen Sachverhalte/Zusammenhänge zu sensibilisieren und ihnen die damit in Verbindung stehenden Neuerungen näher zu bringen, wäre eine entsprechende Informationskampagne vonnöten, die den/die Einzelne/n motiviert, mit Gewohnheiten zu brechen und etwas Neues auszuprobieren (z.B. Hinweise in den Kantinen, leichter Zugang zu Tipps und attraktive Rezepte für eine möglichst klimafreundliche Ernährung zuhause). Auch die Ausmaße der Klimakrise, die Risiken, die diese in sich birgt und die Dringlichkeit die sich daraus für unser gemeinsames Handeln ergibt, dürfen nicht länger ignoriert, sondern müssen ehrlich kommuniziert werden! Die Menschen sollen dadurch nicht in Panik versetzt werden, aber sie sollten verstehen können, warum es nötig ist, nicht-nachhaltige Strukturen aufzubrechen. Hierbei ist es sehr wichtig, die Lage zu verdeutlichen und Lösungsvorschläge zu liefern, damit jeder/jede selbst tätig werden kann!3. Die Stadt Linz sollte BürgerInnen, Unternehmen und Institutionen zur Nachhaltigkeit motivieren und sie bei ihren Bemühungen tatkräftig unterstützen, u.a., indem sie Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung für Unternehmen (nach dem Vorbild Frankreich) setzt: Unternehmen, die einen Überschuss an Essen/Lebensmitteln produzieren, sollen diese nicht mehr wegwerfen/vernichten dürfen. Das Essen sollte stattdessen an soziale Institutionen verteilt werden. Wenn dies nicht möglich ist, sollte die Stadt Linz neue funktionierende Strukturen dafür schaffen. Wirtschaftsförderungen und Subventionen sollen nur mehr an nachhaltige Betriebe vergeben werden.Drei Punkte, die ich selbst zu einer aktiven Klimapolitik leisten kann:1. Jede/r von uns kann täglich versuchen, sich auf seine nächste Mahlzeit zu konzentrieren und einmal etwas Neues ausprobieren. Nach und nach entstehen so neue Gewohnheiten. Je öfter man sich für eine gesunde, pflanzliche Option entscheidet, desto besser, denn dadurch lässt sich der Ausstoß von Methan und Stickoxiden direkt senken. Ich persönlich ernähre mich seit einigen Jahren vegan und bin sehr glücklich damit. Über ein breiteres Angebot in Kantinen würde auch ich mich allerdings sehr freuen!2. Solange die Regierung ihre Verantwortung nicht wahrnimmt, sollten wir uns selbstständig (und abseits von Internetforen) informieren (Ich empfehle als Einstieg in die Thematik, weil es leicht und angenehm zu lesen ist, das Buch: „Wir sind das Klima“ von Jonathan Safran Foer) und die PolitikerInnen darauf hinweisen, dass es schon lange nicht mehr ausreichend ist, ein paar neue Bäume zu pflanzen. Wir müssen jetzt alle gemeinsam aktiv werden, und dafür braucht es umgehend neue Wege in der Politik! Als Bürgerin nehme ich persönlich meine Verantwortung wahr, indem ich mich informiere, mein Demonstrationsrecht nutze, Mails an PolitikerInnen schreibe und an Aktionen wie dieser hier teilnehme – in der Hoffnung, dass meine Stimme hier auch wirklich angehört und nicht einfach ignoriert wird.3. Informationen weitergeben, Vorbildfunktion einnehmen: Unsere Ernährungsweise ist gesellschaftlich ansteckend und hat Einfluss auf unser Umfeld. Supermärkte erfassen verkaufte Artikel, Restaurants passen ihre Karte der Nachfrage an, Catering-Services sehen sich an, was am Ende der Party vom Essen übrig geblieben ist. Individuelle Entscheidungen von VerbraucherInnen können kollektives Handeln in Gang setzen. Je mehr Menschen mitmachen, desto größer ist der Druck auf die Gesellschaft und den Markt. Wir können einander zeigen, dass veganes Essen schmackhaft, gesund sein und unser Leben bereichern kann. Wir können in allen Restaurants und Kantinen, die wir besuchen, um vegane Optionen bitten.*Die Fakten sind dem Buch „Wir sind das Klima“ von Jonathan Safran Foer entnommen.