Stefan Zauner•vor 1 Jahr So ganz verstehe ich ja nicht, warum ständig die Bevölkerung befragt wird. Die Ideen und Lösungen liegen schon lange am Tisch und man sollte schon seit Jahren ins Tun gekommen sein. Vor 5 Jahren wurde noch als großspuriges Ziel angekündigt, Linz werde 2025 "Klimahauptstadt Europas" (damals bereits eine Farce). Vor allem in Städten wird der Klimawandel zunehmend zum Problem. Die von Asphalt, Beton, Glasflächen und Autos (Motoren, Karosserien) geprägten Hitzeinseln sorgen auch für viele Tote im Jahr. Eine im Wissenschaftsjournal Lancet publizierte Untersuchung (https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2822%2902585-5/fulltext) berücksichtigte die Daten 93 europäischer Städte, darunter Wien und Graz. Die Forschenden errechneten, dass im ausgewerteten Jahr 2015 zumindest 6700 frühzeitige Todesfälle auf die deutlich höheren Temperaturen in Städten im Vergleich zum Umland zurückzuführen waren. Wären nur 30 % der Stadtfläche durch schattenspendende Bäume vor der Sonneneinstrahlung geschützt gewesen, wäre die Sterblichkeit um ein Drittel geringer ausgefallen. Die Berechnung basiert auf Simulationen, dass die Temperatur durch den höheren Baumbestand in den Städten im Sommer um durchschnittlich 0,4°C gesenkt werden kann, was viel mehr ist, als es scheinen mag. In Österreich leben immerhin 59 % der Bevölkerung in Städten. Folgende Maßnahmen sind daher dringend nötig:*Strengere Bau-Vorgaben : Neue Gebäude dürfen keine Frischluftschneisen verbauen, müssen mit PV-Anlagen und Batteriespeichern verorgt sein, intensive Begrünungsmaßnahmen bei Fassaden und Dächern umsetzen, mehr Fahrradabstellplätze bereitstellen, Elektrifizierte Tiefgaragen von Anfang an anbieten, alternative Baumaterialien zu Beton verwenden (Holz), usw.*Altbestände renovieren und Leerstände nützen anstatt abreißen und neu bauen. Das erhöht massiv die Emissionen was generell zu weiterer Hitzeentwicklung führt.*Ein Mobilitätskonzept, das die Pendlerzahlen senkt und Menschen vor Autos priorisiert! Linz hat mit den vielen Fahrzeugen ein Platzproblem, ein Luftproblem, ein Hitze- und Lärmproblem. P&R-Anlagen, Citymaut, gute alternative Öffiangebote - das ist alles anzudenken.*Stopp Weiterbau der Westspange! Es ist ein fossiles, sündhaft teures Projekt aus dem vorigen Jahrhundert, zieht nur zusätzlichen motorisierten Individualverkehr an, anstatt Öffinutzung zu forcieren. Als hätten wir keine Klimakrise, keine Luftverschmutzung, kein Lärmproblem. Wer bitte hat was davon?*Parkplätze und große versiegelte Flächen umgestalten und entsiegeln zumindest auf Rasengittersteine: Und zwar schnell, großflächig, konsequent. (Auch für besseren Niederschlagsabfluss)*Fassaden, Dächer, Mauern und Lärmschutzwände begrünen: Zum Beispiel sollte mit den riesigen Betonmauern der Stadtautobahn Linz etwas passieren, anstatt als Hitzeinseln zu fungieren.*Beschattung mit PV-Überdachungen: Doppelter Nutzen durch Elektrifizierung großer (Supermarkt-) Parkplätze und anderer versiegelter Flächen.*Baumschutzgesetz in OÖ: „Der größte Schatz gegen die Klimakrise und damit das beste Mittel für ein gutes Stadtklima und eine gute Lebensqualität sind Bäume. Anstatt sie abzuholzen, müssen wir für mehr Grün in den Städten sorgen“, so LAbg. Anne-Sophie Bauer. Ein umfassendes Baumschutzgesetz ist in OÖ längst überfällig.*Flächendeckende Baumbepflanzungen: Linz muss beginnen, flächendeckend neue Bäume zu pflanzen. In allen Straßen müssen auf Kosten von Parkplätzen klimaresistente Bäume gepflanzt werden. Eine Straße in der Innenstadt da, eine Straße dort, das geht einfach zu langsam. Bis diese Bäume ihren wirklichen Nutzen entfalten, vergehen Jahre bis Jahrzehnte.*Kühlung durch hochreflektive ultraweiße Farbe: Es gibt bereits eine Farbe, die 98% des Sonnenlichts reflektiert, fast die gesamte Wärme in den Weltraum abstrahlt und wie eine Klimaanlage kühlt. Dieses „weißeste Weiß“ senkt die Temperatur von Objekten im Vergleich zur Umgebungstemperatur um bis zu 4,5° C ab. Entwickelt hat sie ein Team um Maschinenbau-Professor Xiulin Ruan von der Purdue-Universität (Indiana, USA). (https://www.derstandard.at/story/2000129754609/weisseste-farbe-der-welt-koennte-viele-klimaanlagen-ersetzen)Die Farbe sollte großflächig zur Energieeinsparung und Kühlung eingesetzt werden: Gebäudeflächen, wo PV nicht möglich ist oder aus Effizienzgründen keinen Sinn macht / Betonmauern, die nicht begrünt werden / Fahrbahnen / Fahrzeug-Lackierung Busse, Züge / etc.*Effiziente Raumklimatisierung: Die Versorgung mit Fernwärme- und Fernkälte muss forciert werden. Die Speisung dieser Anlagen muss bis 2040 zu 100% mit erneuerbarer Energie umgesetzt werden. Fernkälte wird die sonst besonders in Ballungszentren notwendige Anschaffung vieler individueller und ineffizienter Klimaanlagen einsparen.*Öffentliche Trinkwasserbrunnen: Als Beitrag zur Volksgesundheit in vorhersehbar steigenden Hitzetagen, sollten öffentliche Trinkwasserbrunnen ausgebaut werden.*Lichtverschmutzung: muss reduziert werden. Mit der Einführung der LEDs ist der maßlose Umgang mit Licht nur noch schlimmer geworden. Zum Erhalt funktionierender Kreisläufe bei Pflanzen, Tieren, Menschen ist aber auch Dunkelheit notwendig. Warum das fürs (Stadt)Klima wichtig ist? Weil eine funktionierende Natur unsere Lebensgrundlage ist und es einen nicht unwesentlichen Beitrag für den Schutz der Biodiversität darstellt.